Verena Manhart im Interview

Verena ManhartVerena Manhart hat gerade ihr erstes Kinderbuch geschrieben. Und was für eins! „Herr Tukan, Herr Tukan“ ist nicht nur bei unseren Kinder der absolute Renner. Kinderbuch-Rezensenten und Amazon-Käufer überschlagen sich mit  positiven Kritiken. Verena Manhart selbst ist fast ein bisschen überrascht über den Erfolg. Die Veröffentlichung von „Herr Tukan, Herr Tukan“ ist eher einem Zufall gewidmet. Im Interview mit Kinderbuch-Fuchs.de hat uns Verena Manhart ungewöhnliche Einblicke in die Verlagswelt gewährt und erzählt, warum sie eine Figur streichen musste. Außerdem spricht sie im Interview darüber, was Erfolg ausmachen könnte und sie gibt uns eine Aussicht auf die Zukunft.

Buchvorlage dank Spielbogen: So entstand „Herr Tukan, Herr Tukan“

Kinderbuch-Fuchs.de: Hallo Frau Manhart. Ihr Buch ist bei uns wirklich der absolute Renner und unsere Mädchen sind ganz vernarrt in Herrn Tukan. Unsere erste Frage ist: Warum ist Herr Tukan eigentlich ein Tukan?
Verena Manhart: Die Geschichte entstand durch ein Kuscheltier, das an einem Spielbogen von meinem Sohn baumelte. Das Tier wurde von unserem Ben massiv bespielt. Wir haben irgendwann Witze gemacht, dass das arme Kuscheltier schon total gestresst sein muss. Später haben wir ihn Herr Tukan genannt und die Figur war geboren. Ein Tukan ist ja auch wirklich ein sehr schönes Tier, das in der Kinderliteratur vernachlässigt wird. 

Kinderbuch-Fuchs.de: Gibt es einen Grund, dass es ein Herr Tukan ist und keine Frau Tukan?
Verena Manhart: (lacht) Nein, gar nicht. Das ist einfach so entstanden. Wobei ich mittlerweile festgestellt habe, dass sich viele Mamis mit Herrn Tukan identifizieren.

Kinderbuch-Fuchs.de: Wie ist denn das Buch entstanden: War zuerst der Text oder das Bild da?
Verena Manhart: Der Text. Ich habe schon immer gern geschrieben, wusste aber nicht, wie ich an einen Verlag rankomme. Ich habe mehrere Jahre als freie Journalistin gearbeitet und habe nebenbei ein Studium zur Kinder- und Jugendbuchautorin angefangen. Dort hat mich meine Dozentin Nicolette Bohn auf das Projekt Oetinger34 aufmerksam gemacht. Das war eine Plattform für Nachwuchsautoren und Illustratoren. Dort habe ich eigentlich zunächst an einem anderen Projekt gearbeitet. Ich habe  meiner Junior-Lektorin Melanie Krüger von der Idee zu der Geschichte von Herrn Tukan erzählt und sie war ganz begeistert davon, diese als Bilderbuch umzusetzen. Über diese Plattform haben wir einen Illustrator gesucht und Pascal Frank gefunden. So entstand das Buch schließlich als Teamprojekt. 

Herr Tukan Herr Tukan

Herr Tukan! Herr Tukan! erschien im April 2017

Langer Prozess: In 1,5 Jahren zum Kinderbuch

Kinderbuch-Fuchs.de: Die Bilder von Pascal Frank sind ja eher ungewöhnlich…
Verena Manhart:
Ja. Sie sind nicht klassisch niedlich. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass er das Buch wirklich versteht. Er war sofort Feuer und Flamme und wollte schon immer einen Tukan illustrieren. Wir haben sehr viel telefoniert. Dann haben wir innerhalb des Projekts Oetinger34 unsere Geschichte vorgestellt und das Ganze kam sehr gut an. Daraufhin haben wir einen Förderpreis und die Unterstützung einer Lektorin vom Oetingerverlag bekommen, die unser Buch gemeinsam mit Pascal Frank und mir finalisiert hat. Am Ende war es ein relativ langer Prozess von 1,5 Jahren.
Kinderbuch-Fuchs.de: Puh. Das kann man sich kaum vorstellen bei einem recht kurzen Buch…

Verena Manhart: Ja, total. Es ist ja sehr wenig Text. Aber: Je weniger Text, desto mehr muss der auch sitzen. Der Vorteil des Projekts war auch, dass ich jetzt weiß, wie ein Verlag tickt. Ein Beispiel: Wir haben eine Figur komplett gestrichen, dafür andere dazu erfunden. Ich kenne jetzt auch die Rahmen-Bedingungen wie die Seitenanzahl und der Text-/Bildanteil.

Kinderbuch-Fuchs.de: Nochmal zurück zu den Bildern: Die sind durch Druck- oder Stempeltechnik entstanden, oder?
Verena Manhart: Das Ganze sieht aus, als ob es mit einem Druckverfahren hergestellt wurde, und ich liebe diese Optik.  Aber tatsächlich ist Herr Tukan am Computer entstanden. Pascal Frank ist eigentlich Art Director. Er hat selbst einen kleinen Sohn, der bei der Entstehung des Buchs drei Jahre alt war. Ich glaube, der hat bei der Affenfigur einen großen Beitrag geleistet.

Kinderbuch-Fuchs.de: Wie alt ist denn Ihr Sohn mittlerweile?

Verena Manhart: Er ist jetzt drei und ein großer Fan von Herrn Tukan. Auch in seiner Kita ist das Buch sehr beliebt. Es ist so schön zu sehen, wie toll das Buch ankommt. Auch das Mitbrüllen beim Vorlesen macht sehr viel Spaß.

Den Schlüssel zum Erfolg hat Verena Manhart leider nicht

Kinderbuch-Fuchs.de: Als Herr Tukan entstand, konnten Sie ja eigentlich noch nicht wissen, wie gut er bei Kindern ankommt…

Verena Manhart: Ich hatte tatsächlich kein Gefühl dafür. Ich hatte einfach Lust das Buch zu schreiben. Die Geschichte entstand in der Fantasie und ich bin froh, dass ich nicht darüber nachdenken musste, wie gut sie sich vermarkten lassen wird. Das würde mich beim Schreiben behindern. Einen erheblichen Anteil hat natürlich auch der Verlag, der uns intensiv beraten hat.

Kinderbuch-Fuchs.de: Könnten Sie sagen, was ein erfolgreiches Kinderbuch ausmacht?

Verena Manhart: Nein. Ich glaube, dass die Kinder sich mit der Hauptfigur identifizieren können und mit ihr mitfiebern sollten und dass die Geschichte auf Augenhöhe passieren muss. Ich habe das Gefühl, dass ich das Kind in mir bewahren konnte und meine Texte nicht von oben herab schreibe. Leider ist es nicht so, dass ich den Schlüssel zum erfolgreichen Buch habe. Ingo Signer, der Autor von „Der kleine Drache Kokosnuss“, ist ja sehr erfolgreich. Er scheint eine Art Konzept zu haben. Vielleicht kommt man auch gut rein, wenn man einmal richtig erfolgreich ist. Was mir persönlich am schwersten fällt, ist die Mitte des Buchs. Anfang und Ende habe ich im Kopf. Aber was passiert dazwischen? Wie kann ich die Spannung halten? Diese Lücke zu füllen, fällt routinierten Buchautoren sicher leichter. Ich hätte aber auch Angst, dass die Kreativität flöten geht, wenn man sich in ein Korsett begibt. Das ist sicher eine persönliche Sache. Vielleicht muss es für mich weiterhin neben meiner eigentlichen Arbeit als Redakteurin laufen, damit der Druck nicht zu groß ist.
Verena Manhart schreibt nebenberuflich Kinderbücher und hofft bald ein zweites Buch zu veröffentlichen

Kinderbuch-Fuchs.de: Gibt es eigentlich Zahlen, die aussagen ab wann ein Buch erfolgreich ist?

Verena Manhart: Ich bin ja ein absoluter Neuling in diesem Bereich. Vom Oetingerverlag habe ich mal die Info bekommen, dass ein Bilderbuch sehr erfolgreich ist, wenn es sich um die 8000 Mal verkauft und dass zum Beispiel Bücher wie „Die kleine Hummel Bommel“ von Maite Kelly oder „Die kleine Spinne Widerlich“ von Diana Ampft durch die Decke gehen, was wahrscheinlich auch ein bisschen der Prominenz der Autorinnen zu verdanken ist. Sehr gut verkaufen sich natürlich auch Dauerbrenner wie „Peterson und Findus“. Ansonsten kann ich qualifiziert noch nichts dazu sagen. Wir haben die ersten Zahlen für „Herr Tukan! Herr Tukan!“ noch nicht bekommen.

„Viele Bücher sind so schlecht geschrieben, dass ich sie ungern vorlese“

Kinderbuch-Fuchs.de: Welche Bücher sind denn bei Ihnen und Ihrem Sohn aktuell angesagt?

Verena Manhart: „Ritter Rost“ ist aktuell sehr stark im Kommen. Auch Klassiker von Janosch sind sehr beliebt. „Der kleine Drache Kokosnuss“ ist sehr kreativ, den mögen wir beide gern. Außerdem kommt „Das kleine Ich bin ich“ sehr gut an. Darum geht es um ein verrücktes Tier, das seine Zugehörigkeit sucht. Die Reime gefallen mir unglaublich gut. Das ist ungewöhnlich, denn: Viele Bücher sind so schlecht geschrieben, dass ich sie ungerne vorlese.

Kinderbuch-Fuchs.de: Wie geht es denn bei Ihnen weiter? Gibt es ein neues Projekt?

Verena Manhart: Ich hoffe, dass ich es schaffen werde, an meinem Herzensprojekt weiterzuarbeiten. Ein Kinderroman über eine ungewöhnliche Freundschaft  zwischen zwei sehr speziellen Tieren. Wir wollen jetzt auch erst einmal schauen, wie „Herr Tukan! Herr Tukan!“ gelaufen ist. Es gibt durchaus Ideen, dass wir eine Art Spin-Off von den Fledermäusen rausbringen. Das ist lustig, weil die Fledermäuse ausgerechnet die Figuren sind, die erst später dazu kamen. Eigentlich sollte es eine Oma Brillenbär geben, aber die wollte der Verlag nicht, weil Dschungelbewohner wohl keine Brillen tragen (lacht). So entstanden die Fledermäuse und wir hängen sehr an ihnen. Schön wäre auch, wenn „Herr Tukan! Herr Tukan!“ noch auf Englisch rauskäme. Eine Freundin sitzt gerade an der Übersetzung und es ist eine große Freude zu sehen, welche neuen Wortspiele in einer anderen Sprache entstehen.

Kinderbuch-Fuchs.de: Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft und hoffen auf mehr. Vielen Dank für das nette Interview und für das ungewöhnliche Buch „Herr Tukan Herr Tukan“.

Verena Manhart: Danke, es ist wirklich schön positives Feedback zu bekommen. Herr Tukan ist ein absolutes Herzensding.

Hier kannst du unsere Rezension zu „Herr Tukan! Herr Tukan“ lesen,

© Titelbild „Herr Tukan, Herr Tukan“: Oetinger 2016, Illustrator: Pascal Frank; Foto von Verena Manhart: privat

News zu Verena Manhart gibt’s auf ihrer Webseite

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